Diese Veranstaltung wurde an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen durchgeführt

Fallbesprechung VwGO und Allgemeines Verwaltungsrecht - Sommersemester 2000


Ergebnisse der Evaluierung

Ausgangssituation: Die Fallbesprechung war für eine freiwillige Veranstaltung von Anfang an recht gut besucht. Im Schnitt haben 21,3 Studierende teilgenommen. Die Statistik deutet darauf hin, dass die Teilnehmer gerne gekommen sind. In der Veranstaltung selbst war dies leider nicht immer so deutlich spürbar. Die meisten Teilnehmer beschränkten sich auf eine passive Rolle. Obwohl der Dozent die Teilnehmer immer wieder dazu aufforderte, Fragen zu stellen, herrschte weitgehend "Schweigen im Walde". Dies gilt auch für die "virtuelle Fallbesprechung": Zwar riefen viele Teilnehmer die Lösungsskizzen ab, die der Dozent im Anschluss der Veranstaltungen per Elektropost verschickte. Auch hier kam jedoch keine Diskussion zustande. Auch wurde das Angebot, eigene Lösungsversuche für die behandelten Fälle zur Korrektur einzureichen, in diesem Semester praktisch nicht wahrgenommen.

Das Hauptproblem bestand m.E. darin, dass die Fakultät nicht in der Lage ist, den Studienplan umzusetzen. Danach sollen im vierten Semester die Vorlesungen VwGO und Allgemeines Verwaltungsrecht angeboten werden. Die Fallbesprechung ist offiziell an die Vorlesung zur VwGO angebunden. Dies ist deshalb sinnvoll, weil sich die meisten Probleme des Allgemeinen Verwaltungsrechtes erst im Zusammenhang des Verwaltungsprozesses erschliessen. Sowohl in der Fortgeschrittenen-Übung als auch im Staatsexamen werden die Fälle daher in der Regel "prozessual eingekleidet". In diesem Semester wurde die VwGO-Vorlesung hingegen überhaupt nicht angeboten. Es ist aber schlichtweg nicht möglich, in einem knappen Dutzend zweistündiger Veranstaltungen sowohl das Allgemeine Verwaltungsrecht am Fall zu üben als auch die Grundlagen des Verwaltungsprozessrechts zu vermitteln, ohne die Teilnehmer damit zu überfordern. Hier wird wieder einmal deutlich, dass die Fallbesprechung eine Vorlesung nur ergänzen, nicht aber ersetzen kann.

Zusammenfassende Bewertung: Diese Vermutung hat sich durch die Auswertung der Evaluierungsbögen bestätigt: Ziel des Dozenten war es, in möglichst allen Kategorien, die ihn selbst oder die Fallbesprechung betreffen, mit der Note 2,0 oder besser abzuschneiden. Dies ist in der Regel auch gelungen. Allerdings fällt auf, dass die Gesamtbewertung durch die Teilnehmer mit der Note 1,4 deutlich besser ist als die gewichteten Einzelbewertungen mit der Note 2,0. Dies deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass der Fragebogen es den Teilnehmer/inne/n nicht ermöglichte, ihre Meinung auszudrücken. Dagegen spricht aber wiederum, dass die Teilnehmer/innen den Fragebogen mit der Note 2,0 bewertet haben. Damit bleibt nur die Erklärung, dass die Mängel als weniger problematisch empfunden wurden.

Dies ist wiederum wichtig, weil die Struktur der Fallbesprechung mit 2,2, eher schlecht bewertet worden ist. Dies lässt sich wiederum vor allem darauf zurückführen, dass die meisten Teilnehmer zwar meinten, dass der Schwierigkeitsgrad des Stoffes noch angemessen aber in jedem Fall wesentlich höher als der der Vorlesung sei. Ohne intensive Vor- und Nachbereitung mussten die Studierenden daher das Gefühl der Überforderung bekommen - insofern müssen sie sich allerdings an der eigenen Nase packen, da sie sich nach ihrer eigenen Einschätzung bei weitem zu wenig darum gekümmert haben, den behandelten Stoff aufzubereiten.

Eine persönliche Stellungnahme: Ich muss zugeben, dass die Veranstaltung in diesem Semester hartes Brot für mich war. Zwar hatte ich das Gefühl, dass die Teilnehmer gerne kommen, sonst wären sei bei einer rein freiwilligen Veranstaltung längst abgesprungen. Da ich allerdings fast keine Rückmeldung bekommen habe, konnte ich nicht einschätzen, ob ich mit meinen Anforderungen zu weit gegangen bin oder ob ich es nur mit einer Gruppe von eher passiven Teilnehmern zu tun habe. Daher kann ich nicht sagen, dass ich die Fallbesprechung in diesem Semester genossen hätte, aber ich habe mich herausgefordert gefühlt und das kann allen Beteiligten eigentlich nur gut tun. Den Teilnehmer/inne/n will ich raten, erstens noch weit mehr als bisher für die Vor- und Nachbereitung zu tun und sich zweitens zu trauen, aktiv mitzuarbeiten. Sie könnten das mit Sicherheit gut!

Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)


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