Ausgangssituation: Die Fallbesprechung war für eine freiwillige Veranstaltung von
Anfang an recht gut besucht. Im Schnitt haben 21,3 Studierende teilgenommen. Die Statistik
deutet darauf hin, dass die Teilnehmer gerne gekommen sind. In der Veranstaltung selbst war
dies leider nicht immer so deutlich spürbar. Die meisten Teilnehmer beschränkten
sich auf eine passive Rolle. Obwohl der Dozent die Teilnehmer immer wieder dazu aufforderte,
Fragen zu stellen, herrschte weitgehend "Schweigen im Walde". Dies gilt auch
für die "virtuelle Fallbesprechung": Zwar riefen viele Teilnehmer die
Lösungsskizzen ab, die der Dozent im Anschluss der Veranstaltungen per Elektropost
verschickte. Auch hier kam jedoch keine Diskussion zustande. Auch wurde das Angebot, eigene
Lösungsversuche für die behandelten Fälle zur Korrektur einzureichen, in
diesem Semester praktisch nicht wahrgenommen.
Das Hauptproblem bestand m.E. darin, dass die Fakultät nicht in der Lage ist, den
Studienplan umzusetzen. Danach sollen im vierten Semester die Vorlesungen VwGO und
Allgemeines Verwaltungsrecht angeboten werden. Die Fallbesprechung ist offiziell an die
Vorlesung zur VwGO angebunden. Dies ist deshalb sinnvoll, weil sich die meisten Probleme des
Allgemeinen Verwaltungsrechtes erst im Zusammenhang des Verwaltungsprozesses erschliessen.
Sowohl in der Fortgeschrittenen-Übung als auch im Staatsexamen werden die Fälle
daher in der Regel "prozessual eingekleidet". In diesem Semester wurde die
VwGO-Vorlesung hingegen überhaupt nicht angeboten. Es ist aber schlichtweg nicht
möglich, in einem knappen Dutzend zweistündiger Veranstaltungen sowohl das
Allgemeine Verwaltungsrecht am Fall zu üben als auch die Grundlagen des
Verwaltungsprozessrechts zu vermitteln, ohne die Teilnehmer damit zu überfordern. Hier
wird wieder einmal deutlich, dass die Fallbesprechung eine Vorlesung nur ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.
Zusammenfassende Bewertung: Diese Vermutung hat sich durch die Auswertung der
Evaluierungsbögen bestätigt: Ziel des Dozenten war es, in möglichst allen
Kategorien, die ihn selbst oder die Fallbesprechung betreffen, mit der Note 2,0 oder besser
abzuschneiden. Dies ist in der Regel auch gelungen. Allerdings fällt auf, dass die
Gesamtbewertung durch die Teilnehmer mit der Note 1,4 deutlich besser ist als die gewichteten
Einzelbewertungen mit der Note 2,0. Dies deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass der
Fragebogen es den Teilnehmer/inne/n nicht ermöglichte, ihre Meinung auszudrücken.
Dagegen spricht aber wiederum, dass die Teilnehmer/innen den Fragebogen mit der Note 2,0
bewertet haben. Damit bleibt nur die Erklärung, dass die Mängel als weniger
problematisch empfunden wurden.
Dies ist wiederum wichtig, weil die Struktur der Fallbesprechung mit 2,2, eher schlecht
bewertet worden ist. Dies lässt sich wiederum vor allem darauf zurückführen,
dass die meisten Teilnehmer zwar meinten, dass der Schwierigkeitsgrad des Stoffes noch
angemessen aber in jedem Fall wesentlich höher als der der Vorlesung sei. Ohne intensive
Vor- und Nachbereitung mussten die Studierenden daher das Gefühl der Überforderung
bekommen - insofern müssen sie sich allerdings an der eigenen Nase packen, da sie sich
nach ihrer eigenen Einschätzung bei weitem zu wenig darum gekümmert haben, den
behandelten Stoff aufzubereiten.
Eine persönliche Stellungnahme: Ich muss zugeben, dass die Veranstaltung in
diesem Semester hartes Brot für mich war. Zwar hatte ich das Gefühl, dass die
Teilnehmer gerne kommen, sonst wären sei bei einer rein freiwilligen Veranstaltung
längst abgesprungen. Da ich allerdings fast keine Rückmeldung bekommen habe, konnte
ich nicht einschätzen, ob ich mit meinen Anforderungen zu weit gegangen bin oder ob ich
es nur mit einer Gruppe von eher passiven Teilnehmern zu tun habe. Daher kann ich nicht
sagen, dass ich die Fallbesprechung in diesem Semester genossen hätte, aber ich habe
mich herausgefordert gefühlt und das kann allen Beteiligten eigentlich nur gut tun. Den
Teilnehmer/inne/n will ich raten, erstens noch weit mehr als bisher für die Vor- und
Nachbereitung zu tun und sich zweitens zu trauen, aktiv mitzuarbeiten. Sie könnten das
mit Sicherheit gut!
Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)
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