Ausgangssituation: Die Veranstaltung war über das Semester relativ gut besucht.
Im Schnitt nahmen etwas mehr als 20 Studierende teil. In diesem Semester habe ich ein
völlig neues Konzept, das von den Studierenden sehr viel mehr Eigeninitiative verlangt
als die "klassische Fallbesprechung": Anstelle selbst Falllösungen
vorzutragen, wollte ich erreichen, dass die Teilnehmer/innen selbst
Lösungsvorschläge entwickeln und sich mit der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichtes und der einschlägigen Literatur auseinandersetzen.
Dementsprechend habe ich den Teilnehmer/innen von Anfang an gesagt, dass sie für die
drei zu behandelnden Rechtsgebiete (Staatsorganisationrecht, Grundrechte und
Verfassungsprozessrecht) jeweils mindestens ein, besser aber zwei Lehrbücher
während des Semesters durcharbeiten müssen. Erstaunlicherweise haben sich nur
wenige davon abschrecken lassen...
Zusammenfassende Bewertung: Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Versuch ist
gründlich daneben gegangen. Zwar wurde die Veranstaltung insgesamt noch einigermassen
gut bewertet; im Vergleich zu früheren Semestern hielt sich die Begeisterung jedoch in
engen Grenzen. Sowohl der Aufbau der einzelnen Stunden als auch die Verteilung des Stoffes
über das Semester wurden kritisiert. Einige Teilnehmer/innen bemängelten
ausdrücklich, dass ich keine Lösungsskizzen für die behandelten Fälle
oder gar ein Skript ausgegeben habe - dabei habe ich fast ausschliesslich mit aktuellen
verfassungsrechtlichen Urteilen gearbeitet und sie hätten nur die Entscheidungen
nachlesen müssen...
Leider sind die Ergebnisse der Evaluierung dadurch etwas verzerrt, dass ich in diesem Jahr
ausschliesslich einen elektronischen Fragebogen verwendet habe. Da Juristen der modernen
Technik offenbar immer noch sehr zurückhaltend gegenüber stehen, haben sich nur
etwa die Hälfte der regelmässigen Teilnehmer/innen an der Befragung beteiligt. Auf
der anderen Seite stand die Teilnahme auch Studierenden offen, die nicht bis zum Ende dabei
geblieben waren - insofern ist festzuhalten, dass deren Bewertung keinesfalls schlechter
ausfiel. Wenn sie nicht bis zum Ende des Semesters an der Veranstaltung teilgenommen haben,
dann liegt das daher nicht unbedingt an der Qualität der Veranstaltung.
Eine persönliche Stellungnahme: Zunächst möchte ich Ihnen danken: Trotz
der vergleichsweise großen Teilnehmerzahl und dem nicht immer angenehmen Raumklima
hatte ich den Eindruck, dass die meisten, die an der Veranstaltung teilgenommen haben,
durchaus nicht nur physisch anwesend waren. Es kam zu einigen spannenden Diskussionen und
Ihre Fragen deuten darauf hin, dass Sie bereit sind, sich mit der Materie auseinander zu
setzen.
Wenn ich mir die Ergebnisse der Evaluierung betrachte, dann stelle ich mir allerdings die
Frage, was einige der Teilnehmer/innen eigentlich erwarten: Auf der einen Seite haben sie
nach ihrer eigenen Einschätzung nicht sehr viel dafür getan, um sich auf die
Veranstaltungen vor- oder diese zumindest nachzubereiten. Dies wurde auch während des
Semesters deutlich. Auf der anderen Seite bemängeln dieselben Studierenden aber den
fehlenden Erkenntnisgewinn - wen wundert's! Wer an einer letztendlich freiwilligen
Veranstaltung teilnimmt, obwohl ihm diese "nichts zu bringen" scheint, ist in
meinen Augen schlicht und einfach selbst schuld! Was mich fast noch mehr irritiert, ist die
Diskrepanz zwischen der Forderung, noch stärker auf die Fallbearbeitung selbst
einzugehen und dem offensichtlichen Unwillen, meiner immer wieder betonten Bitte zu folgen,
und Musterlösungen für die behandelten Fälle einzureichen, bzw. die Chance zu
nutzen, Probeklausuren zu schreiben. Dabei wäre dies die einzige Möglichkeit
gewesen, sich wirklich auf die Übung vorzubereiten! Offenbar trauen Sie sich selbst viel
zu wenig zu. Schade eigentlich...
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg!
Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)
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