Diese Veranstaltung wurde an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen durchgeführt

Fallbesprechung Staatsorganisation und Grundrechte - Sommersemester 2002


Ergebnisse der Evaluierung

Ausgangssituation: Die Veranstaltung war über das Semester relativ gut besucht. Im Schnitt nahmen etwas mehr als 20 Studierende teil. In diesem Semester habe ich ein völlig neues Konzept, das von den Studierenden sehr viel mehr Eigeninitiative verlangt als die "klassische Fallbesprechung": Anstelle selbst Falllösungen vorzutragen, wollte ich erreichen, dass die Teilnehmer/innen selbst Lösungsvorschläge entwickeln und sich mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes und der einschlägigen Literatur auseinandersetzen. Dementsprechend habe ich den Teilnehmer/innen von Anfang an gesagt, dass sie für die drei zu behandelnden Rechtsgebiete (Staatsorganisationrecht, Grundrechte und Verfassungsprozessrecht) jeweils mindestens ein, besser aber zwei Lehrbücher während des Semesters durcharbeiten müssen. Erstaunlicherweise haben sich nur wenige davon abschrecken lassen...

Zusammenfassende Bewertung: Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Versuch ist gründlich daneben gegangen. Zwar wurde die Veranstaltung insgesamt noch einigermassen gut bewertet; im Vergleich zu früheren Semestern hielt sich die Begeisterung jedoch in engen Grenzen. Sowohl der Aufbau der einzelnen Stunden als auch die Verteilung des Stoffes über das Semester wurden kritisiert. Einige Teilnehmer/innen bemängelten ausdrücklich, dass ich keine Lösungsskizzen für die behandelten Fälle oder gar ein Skript ausgegeben habe - dabei habe ich fast ausschliesslich mit aktuellen verfassungsrechtlichen Urteilen gearbeitet und sie hätten nur die Entscheidungen nachlesen müssen...

Leider sind die Ergebnisse der Evaluierung dadurch etwas verzerrt, dass ich in diesem Jahr ausschliesslich einen elektronischen Fragebogen verwendet habe. Da Juristen der modernen Technik offenbar immer noch sehr zurückhaltend gegenüber stehen, haben sich nur etwa die Hälfte der regelmässigen Teilnehmer/innen an der Befragung beteiligt. Auf der anderen Seite stand die Teilnahme auch Studierenden offen, die nicht bis zum Ende dabei geblieben waren - insofern ist festzuhalten, dass deren Bewertung keinesfalls schlechter ausfiel. Wenn sie nicht bis zum Ende des Semesters an der Veranstaltung teilgenommen haben, dann liegt das daher nicht unbedingt an der Qualität der Veranstaltung.

Eine persönliche Stellungnahme: Zunächst möchte ich Ihnen danken: Trotz der vergleichsweise großen Teilnehmerzahl und dem nicht immer angenehmen Raumklima hatte ich den Eindruck, dass die meisten, die an der Veranstaltung teilgenommen haben, durchaus nicht nur physisch anwesend waren. Es kam zu einigen spannenden Diskussionen und Ihre Fragen deuten darauf hin, dass Sie bereit sind, sich mit der Materie auseinander zu setzen.

Wenn ich mir die Ergebnisse der Evaluierung betrachte, dann stelle ich mir allerdings die Frage, was einige der Teilnehmer/innen eigentlich erwarten: Auf der einen Seite haben sie nach ihrer eigenen Einschätzung nicht sehr viel dafür getan, um sich auf die Veranstaltungen vor- oder diese zumindest nachzubereiten. Dies wurde auch während des Semesters deutlich. Auf der anderen Seite bemängeln dieselben Studierenden aber den fehlenden Erkenntnisgewinn - wen wundert's! Wer an einer letztendlich freiwilligen Veranstaltung teilnimmt, obwohl ihm diese "nichts zu bringen" scheint, ist in meinen Augen schlicht und einfach selbst schuld! Was mich fast noch mehr irritiert, ist die Diskrepanz zwischen der Forderung, noch stärker auf die Fallbearbeitung selbst einzugehen und dem offensichtlichen Unwillen, meiner immer wieder betonten Bitte zu folgen, und Musterlösungen für die behandelten Fälle einzureichen, bzw. die Chance zu nutzen, Probeklausuren zu schreiben. Dabei wäre dies die einzige Möglichkeit gewesen, sich wirklich auf die Übung vorzubereiten! Offenbar trauen Sie sich selbst viel zu wenig zu. Schade eigentlich...

Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg!

Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)


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